Dennis Lehane: In der Nacht

Vorgestellt von Renate Bojanowski in Moderne Literatur am 22. September 2014

Dennis Lehane: In der Nacht»Wir sind süchtig danach. Wonach? Nach der Nacht – sie ist unwiderstehlich. Wer sich für den Tag entscheidet, der muss nach ihren Regeln spielen. Darum haben wir uns für die Nacht entschieden und spielen nach unseren eigenen. Das Dumme ist nur, wir haben im Grunde keine Regeln.«

Vielleicht ist manchen Dennis Lehanes Roman »Der Aufruhr jener Tage« noch in Erinnerung. Die Familiengeschichte der Coughlins, die in den Jahren 1918/19 in Boston begann, findet nun »In der Nacht« ihre Fortsetzung. Der Leser begegnet dem stellvertretenden Polizeichef von Boston Thomas Coughlin 1926. Sein Sohn Danny, der Protagonist aus »jenen Tagen«, ist inzwischen aus dem Polizeidienst ausgeschieden und versucht sein Glück in Hollywood als Stuntman, später als Drehbuchautor. Man liest nur am Rande von ihm, denn Dennis Lehane rückt im Roman »In der Nacht« seinen jüngeren Bruder Joseph ins Rampenlicht.

Zu Beginn erfährt der Leser erst einmal von Joseph Coughlins Ende. Oder vielleicht doch nicht? Er steckt mit beiden Beinen in einem zementgefüllten Fass auf hoher See – kurz davor gewaltsam über die Reling zu kippen – und lässt dabei sein aufregendes, abwechslungsreiches Leben Revue passieren.

»Und plötzlich kam ihm der Gedanke, das sein Leben – im positiven wie im negativen Sinne – nicht halb so bemerkenswert verlaufen wäre, hätte ihn das Schicksal an jenem Morgen nicht mit Emma Gould zusammengeführt.«

Als Zwanzigjähriger beraubt der Sohn irischer Einwanderer den mächtigsten und brutalsten Gangsterboss von Boston namens Albert White. Außerdem spannt Joe ihm seine Geliebte Emma Gould aus. Sie ist die Liebe seines Lebens und femme fatale zugleich. Ihre Dezemberaugen entfachen ein kaltes Feuer in ihm, das ihn bis zuletzt umtreibt. Albert Withe rächt sich. Emma verschwindet spurlos, wurde vermutlich sogar ermordet. Joe will sich beweisen, alles anders, alles besser machen als sein Vater, der so stark ist … und gerät dabei auf die schiefe Bahn. Er wird Opfer eines Verrats und landet im grauenvollsten Zuchthaus von Massachusetts. Hier lernt er zu Überleben und bereitet seinen Aufstieg in der Unterwelt vor.

Im Laufe der Geschichte entwickelt Dennis Lehane seinen Helden vom gebeutelten Kleinkriminellen zum geschäftstüchtig und selbstbewusst auftretenden Rum-Schmuggler, dessen Wirkungskreis bis nach Kuba reicht. Für ihn ist das Verbrechen ein Geschäft. Joe befriedigt Bedürfnisse, die erst durch die Prohibition entstanden sind, eine lukrative Einnahmequelle. Sein Weg ist gepflastert mit Überfällen, verruchten Kneipen, Prostituierten, Glücksspiel, Rum und jede Menge Blut. Die zweite Frau, die Joes Geschicke beeinflusst, heißt Graciela. Sie steht ihm in Ybor (Tampa, Florida) mit Rat und Tat zur Seite und sorgt dafür, dass er sein Herz behält.

Der Leser hegt Sympathie für Joe Coughlin, glaubt an das Happy-End, bis die Dame mit den Dezemberaugen wieder auftaucht. Konkurrenten greifen nach Joes Reich in Florida. Nun ahnt der Leser, dass sich Joseph Coughlin in eine Sackgasse verrannt hat. Er liest bis in die Nacht, wird von den Ereignissen überrollt und … liest den Anfang wieder und wieder.

Hollywood reißt sich um das Drehbuch und die zu vergebenden Hauptrollen.

Lehane erzählt sein Gangsterepos dicht und distanziert, jedoch zutiefst menschlich. Sorgfältig und kenntnisreich hat er es in ein Stück Zeitgeschichte verpackt, dass man ansatzweise zu kennen glaubt (die Zeit der Prohibition, des Rassenhasses, des Kampfes gegen Diktaturen und Unterdrückung, des Ku-Klux-Klans, der großen Gangstersyndikate). »In der Nacht« ist ein exzellenter Unterhaltungsroman, dramatisch und bewegend.

Dennis Lehane: In der Nacht | Deutsch von Sky Nonhoff
Diogenes 2013 (3. Auflage) | 592 Seiten | amazon-info

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Dan Simmons: Drood

Vorgestellt von Andreas Zwengel in Genreliteratur am 15. September 2014

Dan Simmons: DroodIch heiße Wilkie Collins, und da ich die Veröffentlichung dieser Aufzeichnungen auf einen Zeitpunkt hinauszuschieben gedenke, der mindestens eineinviertel Jahrhunderte nach meinem Ableben liegt, vermute ich, dass Du meinen Namen nicht kennst. Manche nennen mich zu Recht einen Spieler, und daher wette ich mit Dir, lieber Leser, dass Du kein einziges meiner Bücher und Stücke gelesen, ja noch nicht einmal von ihnen gehört hast.

Wilkie Collins ist auch heute noch bekannt und »Die Frau in Weiß« ein Klassiker. Er war ein Zeitgenosse von Charles Dickens und arbeitete eng mit ihm zusammen. Dickens ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere, seine Bücher sind Bestseller und seine Lesereisen ausgebucht. Simmons hat Collins als Ich-Erzähler gewählt und schildert aus seiner Sicht die Ereignisse im Jahr 1865. Bei einem Zugunglück beobachtet Dickens einen unheimlichen Mann. Dickens macht sich wie ein Besessener auf die Spur des Mannes, der sich als eine Unterweltgröße namens Drood herausstellt. Er unternimmt häufig Ausflüge in die Londoner Unterwelt, macht Droods Bekanntschaft und verhält sich immer seltsamer.

Dan Simmons hat mit den »Hyperion«-Romanen Klassiker der Science Fiction verfasst, im Festa-Verlag erschien eine sehr empfehlenswerte Hardboiled-Serie von ihm und er schrieb tausendseitige historische Schmöker wie »Terror«, »Der Berg« und auch das vorliegende Buch.

»Drood« ist keine viktorianische Gruselgeschichte, sondern eine Mischung aus Krimi, Sittengemälde und Biografie. Man erfährt sehr viel über die damalige Gesellschaft und die Lebensumstände in den verschiedenen Schichten, wie auch über das Leben und Werk von Dickens und Collins. Dickens wird dabei als ein selbstgefälliger und überheblicher Workaholic dargestellt, mit gelegentlichen Anwandlungen eines Sherlock Holmes. Absolut mitreißend ist die Schilderung von Dickens’ Arbeit und seinen öffentlichen Auftritten. Man kann dabei die Atmosphäre in den Theatern und Salons nachempfinden.

Der opiumsüchtige Collins erweist sich im Verlauf des Romans nicht immer als zuverlässiger Erzähler und der Leser muss gelegentlich selbst entscheiden, ob er einzelnen Schilderungen glaubt oder sie dem Opiumrausch zuschreibt.

Der historische Hintergrund für das Buch ist Dickens’ letzter, unvollendeter Roman »Das Geheimnis des Edwin Drood«. Wer sich nur für die spannenden Aspekte der Geschichte begeistert, wird viele Längen in dem Buch finden. Wen aber auch die Freundschaft und Zusammenarbeit der beiden Autoren interessiert, die von Neid und Konkurrenzdenken geprägt waren, wird diesen unterhaltsamen, faktenreichen und gutgeschriebenen historischen Roman sehr schätzen.

Dan Simmons: Drood | Deutsch von Friedrich Mader
Heyne 2010 | 976 Seiten | amazon-info

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Michael Chabon: Telegraph Avenue

Vorgestellt von Holger Reichard in Moderne Literatur am 8. September 2014

Michael Chabon: Telegraph Avenue»Na gut«, sagte Archy. Er warf sich den Riemen der Reisetasche über die Schulter und sah Gwen an. »Danke.« Dann wandte er sich ab, ihn schnürte sich die Kehle zu, er versuchte es mit einem Husten zu tarnen, hustete wie sein El Camino. Sein kaputtes altes Auto, sein kaputter Friseurladen voll alter kaputter Platten und die kaputte zweifarbige Zwillingsstadt Brokeland: Das war das Inventar seines Lebens.

Archy Stallings hat es nicht leicht. Zunächst erwischt ihn seine hochschwangere Gattin Gwen im äthiopischen Restaurant »Queen of Sheba« beim Fremdgehen mit der Nichte des Restaurantbesitzers. Sein von Geldnöten geplagter Vater Luther, ein abgehalfterter Star von Blaxploitation-Filmen aus den 1970ern, bereitet ihm wieder einmal große Schwierigkeiten. Dann taucht plötzlich ein 14jähriger Junge auf, der sich als unehelicher Sohn von Archy entpuppt. Und schließlich stirbt auch noch Archys Ersatzvater, der Musiker Cochise Jones, kurz vor einem gemeinsamen Gig, comichaft unter der Last seiner Hammond-B3, die Archy gerade erst frisch repariert hatte.

Als wären das nicht schon Probleme genug, droht in unmittelbarer Nähe von Archys Jazzplattenladen Brokeland Records, den er zusammen mit seinem Freund Nat Jaffe betreibt, ein neuer Megastore seine Tore zu öffnen, mit einer Jazzplattenabteilung, die die liebenswerte, aber beschauliche Vinylsammlung von Archy und Nat zigfach in den Schatten stellt.

Auch die Ehefrauen von Archy und Nat sorgen sich um ihre berufliche Existenz. Sie arbeiten als Hebammen und kämpfen mit den Folgen einer missglückten Hausgeburt. Über allem schwebt ein Mordfall, der sich vor vielen Jahrzehnten im Umfeld der Black Panther Bewegung ereignete und nie geklärt werden konnte. Nur für die Leserinnen und Leser dieses Buches wird der Fall gelöst, am Ende der Geschichte.

Willkommen auf der »Telegraph Avenue«.

Michael Chabon zu lesen, insbesondere diesen Roman, lässt sich vielleicht vergleichen mit einer Achterbahn. Man steht zunächst ehrfürchtig davor und fragt sich, ob man wirklich in dieses Ding einsteigen soll, und noch bevor man eine Entscheidung getroffen hat, sitzt man in einer der Gondeln und rast kreischend und mit wehendem Haupthaar in die Talsohlen.

Schwindelgefühle gibt es auch auf der »Telegraph Avenue«. Man staunt, in welcher Fülle, mit welcher Sprachakrobatik und vor allem mit welchem Elan (nicht nur aufgrund der großzügigen Verwendung von Kommata) Michael Chabon seine Metaphern rauf und runter flitzen lässt. Etwa 30 Seiten lang überlegt man, ob oder vielmehr wie man einsteigen soll, doch plötzlich (spätestens als Gwen ihren Gatten wegen des Seitensprungs auf offener Straße zur Rede stellt und ihn prüfend in den Schritt fasst) ist man drin in diesem Ding und fährt berauscht mit – von einer Alltagskatastrophe zur nächsten.

Die vielen Schwierigkeiten, Unglücksfälle und Hiobsbotschaften, die sich den Protagonisten der »Telegraph Avenue« auf knapp 600 Seiten auftun, hat Chabon keineswegs einfallslos aneinander gereiht, sondern anspruchsvoll und komplex miteinander verdrahtet. Bemerkenswert ist auch, dass er als weißer Schriftsteller größtenteils aus der Sicht der Farbigen schreibt. Ihnen sollte vorbehalten sein, darüber zu urteilen, wie gut Chabon dies gelungen ist.

Fest steht: »Telegraph Avenue« ist Unterhaltung vom Feinsten. Wer wie Michael Chabon kulturell in den 70ern und frühen 80ern verankert ist und Sympathien hegt für den schrulligen Plattenladen am Rande der Fußgängerzone oder andere Formen vinyler Nostalgie, wird dieses Buch lieben.

Michael Chabon: Telegraph Avenue | Deutsch von Andrea Fischer
Kiepenheuer & Witsch 2014 | 592 Seiten | amazon-info

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Nicolas Robel: Topo Limbo

Vorgestellt von Renate Bojanowski in Moderne Literatur am 1. September 2014

Nicolas Robel: Topo Limbo»…und was für einen Zweck haben schließlich Bücher, in denen überhaupt keine Bilder und Unterhaltungen vorkommen?« (Lewis Caroll, Alice im Wunderland)

In den Jahren 1991 – 2012 wurden die »Tollen Hefte« von dem Verleger und Illustrator Armin Abmeier herausgegeben. Sie erschienen zunächst im Maro Verlag, ab Heft 16 bei der Büchergilde Gutenberg. Alle Hefte sind von einem Schutzumschlag eingekleidet, 32 Seiten dick und sind fadengeheftet. Als zusätzliches Bonbon liegt ihnen eine Graphik oder ein Poster bei.

Der verlockende Reiz dieser buchkünstlerischen Kleinode liegt in der limitierten Auflage, der Original-Flachdruck-Graphik (vergleichbar mit einer Lithographie) und der einzigartigen Illustration und Gestaltung. Als Armin Abmeier nach einjähriger Krankheit im Sommer 2012 verstarb, übernahm seine Witwe Rotraut Susanne Berner auf seinen Wunsch hin die Herausgabe der bibliophilen Kostbarkeiten. In der Bücherwelt fest etabliert ist sie als Wimmelbuch-Macherin, wo sie ihrem verstorbenen Mann mit dem Buchhändler Armin ein Denkmal gesetzt hat.

Im März dieses Jahres erschien Heft Nr.41, das die Geschichte von drei Teenagern erzählt, die einen Ausweg aus einer fremden und unheimlichen Welt suchen. Der Mitte der Siebziger Jahre geborene kanadische Autor Nicolas Robel ist auch Illustrator, Graphiker und Verleger. Er sagt von sich, dass er zwischen mehreren Welten schwankt, bezeichnet sich als Traumtänzer und Papierliebhaber.

Zugegeben, ein wenig »verrückt« scheint die Geschichte von »Topo Limbo«. Im »Anderssein« liegt jedoch auch die Anziehungskraft dieses farbenfrohen Heftchens. Der Forscher und Amateurkartograph Nicholay Baker findet auf dem Müllplatz seines Heimatortes die herausgetrennten Aufzeichnungen eines Tagebuches, das von drei Jugendlichen Elan, Irayna und Leonyd verfasst wurde. Da er die Landschaft nicht kennt, beginnt er anhand der unvollständigen Notizen mit der Erstellung einer Karte und der chronologischen Ordnung der zusammenhanglosen Ereignisse.

Gibt es diese Welt überhaupt, die die Teenager beschreiben? Ihr Geheimnis bleibt unergründbar, das kleine Heftchen gibt jede Menge Rätsel auf, überlässt den Leser seinem Grübeln. Voller Ungewissheit entfaltet er die beiliegende einzigartige topografische Karte, brauchbare Hinweise suchend. »Die Suche nach der ultimativen Karte …« scheint ins Leere zu laufen, »… die Herausforderung, alles zu vermessen …« unannehmbar. »Glauben an etwas, was nicht wirklich existierte …« fällt schwer, denn »… unser Sehvermögen ist begrenzt, und doch wollen wir alles sehen.«

Loten die klein gedruckten Sätze am Rand der Karte den Sinn oder Irrsinn der Karte aus? Der einzige Bewohner der geheimnisvollen Insel ist ein Seelenräuber, ein Schattenkind. Die drei Teenies dokumentieren, dass sie den richtigen Weg gewählt haben. Doch sitzen sie in einem löchrigen Boot mit unbekanntem Ziel.

Die 1A-Schulausgangsschrift verleiht der Geschichte etwas Naives, Gutgläubiges; die grellen Farben der Illustrationen verwirren, die bunten Bilder wirken befremdlich. Skurrile Lebewesen, die da Menschen ähnlich sehen, dort Wolken, ein andermal grauen Schatten. Der Schritt von Limbo zu Limbus ist kurz. Sollten die drei Jugendlichen tatsächlich in der Vorhölle gefangen sein?

Die dunklen Gedanken und Vorstellungen entrücken Robels Heftchen dem traditionellen Jugendbuch, die unheimliche Spannung beim Entdecken und Rezipieren behält jedoch die Oberhand. Liegt das kleine, feine Kunstwerk in der Nähe, übt es einen Zauber aus, der einen zwingt, es in die Hand zu nehmen. Und augenblicklich blüht die Phantasie …

»Wir sind empfindliche Geschöpfe, umgeben von einer Welt feindlicher Tatsachen.«

Nicolas Robel: Topo Limbo | Deutsch von Tobias Scheffel
Edition Büchergilde 2014 | 32 Seiten | amazon-info

Christopher Buckley: Hohes Gericht

Vorgestellt von Andreas Zwengel in Moderne Literatur am 11. August 2014

Christopher Buckley: Hohes GerichtAm Dienstagmorgen saß Senator Dexter Mitchell in seinem Büro auf dem Capitol Hill, als das Telefon läutete. Es war Graydon Clenndennynn, der anrief, der Obermandarin persönlich. Die beiden Männer kannten – und verabscheuten – einander. Graydon bezeichnete Mitchell (natürlich niemals öffentlich) als »mittelmäßigen Emporkömmling«. Dexter bezeichnete Graydon (in aller Öffentlichkeit) als »unerträglichen, überbezahlten Egomanen«. Beide Standpunkte entbehrten nicht einer gewissen Richtigkeit.

Ein Posten am Obersten Gerichtshof muss neu besetzt werden, nachdem Richter Brinnin offenbar den Verstand verloren hat. Senator Dexter Mitchell ist Vorsitzender des Ausschusses, der geeignete Nachfolger überprüft. Dexter ist selbst an dem Posten interessiert und lässt deshalb zwei hochqualifizierte Kandidaten aus fadenscheinigen Gründen durchfallen. Der eher simpel gestrickte Präsident der Vereinigten Staaten ist von der Verzögerung frustriert, als er zufällig die Gerichtsshow »Courtroom Six« sieht. Er ist hingerissen vom Charme und dem Sexappeal der Fernsehrichterin Pepper Cartwright und wild entschlossen, ihr eines der höchsten Richterämter des Landes zu verschaffen.

»Barbara Salesch übernimmt den Vorsitz beim Bundesverfassungsgericht« wäre wohl hierzulande das entsprechende Szenario. Buckley schildert den Obersten Gerichtshof als ein Sammelbecken für Paradiesvögel und Exzentriker, das von einem texanischen Cowgirl im Richteramt aufgemischt wird. Peppers Ehemann und Produzent ihrer Sendung fühlt sich nach ihrem Ausstieg betrogen und verklagt sie wegen Vertragsbruch. Er entwickelt einen Racheplan, in dem Dexter Mitchell eine Hauptrolle spielen soll.

Erwartungsgemäß entzieht sich das Geschehen sehr schnell der Kontrolle aller Beteiligten und der Autor treibt es lustvoll auf die Spitze. Sein lakonischer Stil passt wunderbar und bis in die Fußnoten hinein wimmelt es von gepfefferten Spitzen gegen das Showbiz, die Washingtoner Politszene und das amerikanische Rechtssystem. Man beneidet Pepper und ihre Kollegen nicht um die Fälle, die sie bearbeiten müssen: Ein Bankräuber, dessen Waffe versagt, als er sich den Weg freischießen will, und der nun die Herstellerfirma verklagt. Ein männlicher, amerikanischer Ladendieb, der unter einer Burka CDs und DVDs stiehlt und nach seiner Festnahme die Polizei und die Ladenkette wegen rassistischer und religiöser Diskriminierung auf 20 Millionen Dollar verklagt.

Christopher Buckley verfasste bereits die brillanten Satiren »Danke, dass Sie hier rauchen« und »Kleine grüne Männchen«. Auch in diesem Buch gelingen ihm wieder witzige und intelligente Dialoge in einer aberwitzigen Handlung, die allerdings (leider) nie unrealistisch wirkt.

Christopher Buckley: Hohes Gericht | Deutsch von Joachim Körber
KuK Verlag 2011 | 350 Seiten | amazon-info

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Robert B. Parker: Terror auf Stiles Island

Vorgestellt von Detlef Knut in Genreliteratur am 4. August 2014

terror_auf_stiles_islandDies ist der zweite Fall des alkoholabhängigen Polizeichefs von Paradise, der aus der Feder des bereits 2010 verstorbenen amerikanischen Schriftstellers Robert B. Parker (auch bekannt durch die Spenser-Krimis) stammt. Er schließt fast nahtlos an »Das dunkle Paradies« an.

Es ist ruhig im kleinen Städtchen Paradise. Seit einem Jahr ist Jesse Stone hier Polizeichef. Von seinen Leuten wird er geachtet. Die Lösung seines ersten Falles im vorigen Jahr hat ihm Respekt verschafft. Das heißt aber nicht, dass Detective »Suitcase« Simpson keine Späße mit seinem Boss macht, nachdem er weiß, dass Jesse nicht nur mit der Rechtsanwältin und mit seiner Ex, sondern auch noch mit einer Immobilienmaklerin techtelmechtelt.

Derbe Sprüche und Witze zu seinen Lasten quittiert Jesse mit stoischer Zurückhaltung und wartet nur auf die Gelegenheit für einen Gegenschlag. Die Ruhe im Örtchen scheint aber nur die Ruhe vor dem Sturm zu sein. Noch ahnt Jesse nicht, dass sich James Macklin, ein frisch entlassener Berufsverbrecher in seinem beschaulichen Örtchen niedergelassen hat und an einem großen Raubzug bastelt.

Während Jesse damit beschäftigt ist, drei Jugendliche, die das Haus eines schwulen Pärchens angezündet haben, auf den rechten Weg zurückzuholen, sucht sich Macklin seine Crew zusammen und plant, sämtliche Einwohner der zu Paradise gehörenden Insel Stiles Island, auf der nur Villen stehen, mit einem Schlag auszurauben. Er selbst schreckt nicht vor Leichen zurück, aber auch der angeheuerte Crow, der von sich selbst behauptet, Apache zu sein, ist ein kaltblütiger Killer.

Die Jesse-Stone-Romane lesen sich erfrischend anders als herkömmliche Krimis. Als Hardboiled-Krimis mit dem »einsamen Wolf« als Kämpfer werden dem Leser prinzipiell beide Seiten offengelegt. Die Frage nach dem Täter stellt sich hier nicht, sondern lediglich, ob und wie er vom »Mann für Recht und Gesetz« geschnappt wird.

Damit wird die Sichtweise des Lesers ganz klar auf die einzelnen Figuren im Allgemeinen und dem Hauptprotagonisten im Besonderen gelegt. Der Leser kann also nicht miträtseln, sondern wird immer mitfiebern. Und dies macht mindestens genauso viel Spaß, lernt er doch Figuren viel besser kennen, kann sich mit ihnen arrangieren, sie lieben oder verabscheuen.

Im Falle von Jesse Stone ist für mich persönlich das Bild sehr prägnant vorgegeben, denn dessen Bücher wurden mit Tom Selleck (bekannt als Magnum P. I.) verfilmt und zum Teil von ihm produziert. Obwohl die Romane vor den Filmen entstanden, scheint ihm die Rolle des Jesse Stone wie auf den Leib geschrieben. Dieser Polizist steckt voller Probleme und seine Entwicklung ist Stoff, aus dem gute Romane entstehen.

Als Leser stellen sich über alle Romane hinweg die Fragen, ob er sein Alkoholproblem und sein Beziehungsproblem mit seiner Ex-Frau Jenn in den Griff bekommt. Der Spannungsbogen für den einzelnen Roman, wie auch dem vorliegenden, ergibt sich aus der Jagd nach den Tätern. Diesen Roman zu empfehlen, bereitet keine Schwierigkeiten.

Robert B. Parker: Terror auf Stiles Island | Deutsch von Bernd Gockel
Pendragon 2013 | 312 Seiten | amazon-info

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Nickolas Butler: Shotgun Lovesongs

Vorgestellt von Andreas Zwengel in Hörbuch am 28. Juli 2014

Nickolas Butler: Shotgun LovesongsMan nennt sie Shotgun Weddings eine Heirat mit Schießgewehr, weil der Vater der Braut dem Bräutigam währenddessen ein Gewehr in den Rücken drückt. Vorher ist irgendwas geschehen. Eine Schwangerschaft, ein Bankrott, der Ausbruch eines Krieges. Was auch immer passiert ist, diese Hochzeit wird jetzt vollzogen, und zwar schleunigst. (…) Genau so dachte ich auch über »Shotgun Lovesongs«. Während ich an den Songs arbeitete, fühlte es sich an, als würde ich mir selbst ein Gewehr in den Rücken drücken. Ich spürte den Druck, diesen unglaublichen Druck, es zu tun, zu vollenden, es Little Wing zu beweisen, Beth, Kip, Ronny und Henry zu beweisen, dass ich kein Versager war.

Fünf Freunde, vier Männer und eine Frau, stammen alle aus dem kleine Ort Little Wing im Norden Wisconsins. Zwei von ihnen haben den Ort verlassen. Kip wurde ein erfolgreicher Geschäftsmann in Chicago und Lee ein berühmter Musiker, der mit seinem Album »Shotgun Lovesongs« Millionen verdiente und eine prominente Schauspielerin heiratete.

Kip kehrt nach Little Wing zurück und versucht, auch dort Erfolg zu haben. Auf seiner Hochzeit treffen die Freunde von damals zusammen. Darunter Henry und Beth, die seit der Schule ein Paar sind und gemeinsam mehr schlecht als recht eine Farm bewirtschaften. Er ist Lees bester Freund und sie hatte eine Affäre mit ihm. Der fünfte im Bunde ist der ehemalige Rodeo-Star Ronny, der nach einem Unfall zum Alkoholiker wurde.

Der Roman hat fünf Hauptfiguren, die abwechselnd als Ich-Erzähler auftreten. Was läge da näher, als sie im Hörbuch auch mit fünf verschiedenen Sprechern zu besetzen. Die wechselnden Erzähler im Buch ermöglichen es, bestimmte Ereignisse aus mehreren Perspektiven zu betrachten und manchmal muss man sie anschließend neu bewerten.

Die Werbezeile für das Buch zählt schon alle dramaturgischen Höhepunkte auf: »Drei Hochzeiten, zwei Scheidungen, ein Beinschuss und Lieder von der Liebe«. Trotzdem muss man hier keinen Spoiler-Alarm geben, denn in diesem Buch zählt nicht das Was, sondern das Wie. »Shotgun Lovesongs« ist im besten Sinne unspektakulär. Große Katastrophen bleiben aus, aber das macht die Protagonisten nur menschlicher und auch überzeugender. Sie müssen sich mit Alltagsproblemen herumschlagen, die die meisten Leser kennen.

Nickolas Butler erzählt seine Geschichte in einer sentimentalen, nostalgischen und sehr warmherzigen Art. Herausgekommen ist dabei ein Lob der Provinz, aber auch eine lesenswerte Hymne auf die Freundschaft und die Liebe. Ich fühlte mich während der Lektüre des Buches sehr an die Atmosphäre in Ted Demmes Film »Beautiful Girls« erinnert, den ich an dieser Stelle ausdrücklich empfehlen möchte.

Nickolas Butler: Shotgun Lovesongs | Hörbuch | Deutsch von Dorothee Merkel
Gelesen von Karoline Schuch, Fabian Busch, Andreas Döhler, Florian Lukas und Barnaby Metschurat
Hörbuch Hamburg 2013 | 6 CDs | Laufzeit: 414 Min. | amazon-info

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Radek Knapp: Reise nach Kalino

Vorgestellt von Renate Bojanowski in Moderne Literatur am 21. Juli 2014

reise_nach_kalino»Unsere Mitmenschen da draußen wollen kein Gold mehr, sondern ein hübsches Gesicht und das Gefühl, dass sie so bis in alle Ewigkeit weitermachen können …« (F. Osmos, Gründer von Kalino)

Die Geschichte mutet genauso mysteriös wie futuristisch an. Der erfolglose und altmodische Detektiv Julius Werkazy wird an einen Ort gerufen, den bis dahin kein Fremder vor ihm betreten hat. Der Ort heißt Kalino und ist von der übrigen Welt isoliert. Seine Bewohner haben sich eine völlig neue Wirklichkeit erschaffen. Sie sterben nicht, sind scheinbar nicht älter als dreißig Jahre und sehen überdurchschnittlich gut aus. Ihre Mobil-Telefone heißen »Gerlan«, sorgen für sogenannte »sympathische Unterbrechungen« und können weit mehr als unser geliebtes Smartphone.

Nicht nur der Gründer von Kalino, F. Osmos, ist über Gebühr reich. Die Polizisten heißen Perfektionsdiener; mit ihnen sollte man sich auf keinen Fall anlegen.
Kneipen sind Entspannungslokale, in denen vorher geübte Simulationen zwischen Mann und Frau stattfinden, die nachher im Geschlechtsakt enden. Die Häuser haben keine Fenster. Mit einem Translokationsschirm behält Osmos den Überblick, Probleme beseitigt er mit Extraktionen.

Die Kalinianer sind überdurchschnittlich intelligent. Ihr eigener typischer Lebensstil kommt Werkazy ebenso skurril vor wie dem Leser. Sie trinken gern einen »Dreifinger«, die Kühlschränke können sprechen, und auch die Autos (K-Mobile) nehmen Befehle ihrer Besitzer entgegen.

Eines Tages erschüttert ein Mord das Zweitausenddreihundertfünfundvierzig-Seelen-Örtchen Kalino. Um diesen aufklären zu können, muss Werkazy das Rätsel des kalinianischen Lebensstils lösen. Während seiner unkonventionellen Ermittlungen bricht die scheinbar heile, wundersam technisierte Plastik-Welt der reichen und schönen Unsterblichen auseinander. Und: Werkazy erfährt, dass Osmos ihn ganz bewusst verpflichtet hat.

Radek Knapps Sprache in der Detektiv-Geschichte »Reise nach Kalino« ist so phantasievoll wie die Story selbst. Voller Spannung taucht der Leser in die Satire von der schönen neuen Welt ein, wie sie sich wohl nicht nur die Reichen und Schönen aus Osteuropa erträumen. Bizarr mutet sie an, diese Gesellschafft, wenig erstrebenswert, wie der Leser recht schnell bemerkt.

Dennoch sind ihre Auswüchse amüsant und reizen, seine eigenen Wertvorstellungen zu hinterfragen. Bis die Ereignisse eine unerwartete Wendung nehmen, die Lager sich ein wenig zu offensichtlich in Gut und Böse teilen und ein paar zu konstruierte Zufälle in James-Bond-Manier helfen, den Fall zu lösen. Gut, dass der Spaß dennoch die Oberhand behält. Und der beschert uns einen guten Unterhaltungsroman mit einem Happy-Ending.

»Sie sollten sich freuen«, sagte Werkazy. »Keine Simulationen mehr, keine Gerlans oder sympathische Unterbrechungen. Und vor allem keine Osmos. Ab jetzt können sie ihr Leben in eine Vergangenheit und eine Zukunft einteilen.«

Wiweka betrachtete noch einmal den Holundersaft. In ihren Augen stand Ratlosigkeit, aber keineswegs Resignation.

Radek Knapp: Reise nach Kalino | Deutsch
Piper 2012 | 256 Seiten | amazon-info

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Thorsten Nesch: Als sich Gott das Leben nahm

Vorgestellt von Hardy Crueger in eBooks am 14. Juli 2014

Thorsten Nesch: Als sich Gott das Leben nahmIn einem Berliner Hinterhof passieren seltsame Dinge. Mitten in einen knacke heißen Sommertag hinein klatscht ein Mann auf das vertrocknete Gras der Beton-Rabatte. Der Tod des Mannes wird von mehreren Hausbewohnern beobachtet. Es wird versucht Hilfe zu holen, aber aufgrund der enormen Hitzewelle sind Rettungswagen und auch die Polizei nicht erreichbar. Was also tun mit einer Leiche im Hof?

Sieben ganz verschiedene Charaktere lässt der Autor um den Toten herum agieren. Da ist die junge Frau, die an einer Karriere als Schauspielerin arbeitet, der frustrierte Frührentner, die idealistische Fahrradkurierin, die alte Frau mit dem Kanarienvogel, der Taxifahrer aus Afrika, die beiden hormon- und partygesteuerten Jugendlichen. Alle bekommen sie vom Autor die ihrem Alter und ihrer Stellung angemessene Sprache und Gedanken verpasst. Das ist ihm gut gelungen und das allein sorgt schon für genug Abwechslung in dem Berliner Hinterhof. Aber er lässt uns auch in die Köpfe und in die Wohnungen der Menschen schauen, öffnet uns nach und nach die Päckchen, die ein jeder für sich zu tragen hat, wie im richtigen Leben.

Und da liegt die Stärke des Romans: Er lässt uns teilhaben an den ganz verschiedenen Lebenswegen und den Erlebnissen seiner spannenden Protagonisten. Denn immer wieder passiert etwas Unerwartetes, das die Tür zu einem handfesten Thriller öffnet, aber eben nur öffnet. Eine latent vorhandene Spannung, zwischen den Akteuren sowie in ihren Handlungen, ist so gut wie immer vorhanden. Durch den immer noch im Hof daliegenden Leichnam entwickelt sich eine fast schon klaustrophobische Szenerie, ein absurdes Theaterstück á la Samuel Becketts »Warten auf Godot«.

Zum Ende hin fügen sich die Schicksale der Protagonisten, für die einen positiv, für die anderen negativ. Wie im richtigen Leben. Und was mit der Leiche passiert? Das verrate ich hier natürlich nicht.

Der mehrfach ausgezeichnete Jugendbuchautor Thorsten Nesch präsentiert mit dem Roman »Als sich Gott das Leben nahm« eine ebenso unterhaltsame wie existentialistische Story für Erwachsene.

Thorsten Nesch: Als sich Gott das Leben nahm | Deutsch
epubli 2012 | ca. 169 Seiten | amazon-info

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T.C. Boyle: Talk Talk

Vorgestellt von Holger Reichard in Moderne Literatur am 7. Juli 2014

T.C. Boyle: Talk TalkTalk Talk, Ausdruck aus der Amerikanischen Gebärdensprache (ASL), in der Deutschen Gebärdensprache (DGS) »gebärden«, bedeutet ein entspanntes Gespräch unter Gehörlosen mittels Gebärden.

Der amerikanische Schriftsteller T.C. Boyle liebt das Wechselspiel. Hat er gerade einen Band mit Kurzgeschichten veröffentlicht, muss es danach wieder die Kunst des Romanschreibens sein, der er sich widmet. Hat er einen historischen Roman veröffentlicht, wie z.B. über den amerikanischen Sexualforscher Alfred Kinsey, so wechselt er mit dem nächsten wieder in die Gegenwart oder in die Zukunft.

Sein Werk »Talk Talk« betrifft sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft. Denn er thematisiert darin den Identitätsdiebstahl, ein aktuelles Problem, wenn man bedenkt, dass die US-Handelsaufsicht FTC bereits im Jahre 2002 insgesamt 168.000 Anzeigen und 380.000 Beschwerden wegen Identitätsdiebstahl registrieren musste und dieses Vergehen damit als eine der am stärksten zunehmenden Kriminalitätsformen in hochtechnisierten Ländern gilt.

Nicht nur die polizeilichen Ermittler professionalisieren ihre Methoden, auch die Kriminellen. Hierzulande mit Kameras und Scannern manipulierte Geldautomaten markieren da sicher nur den Anfang einer Entwicklung, deren Höhepunkt noch lange nicht in Sicht ist.

Opfer in Boyles Geschichte ist die gehörlose Dana Halter, die eines hektischen Morgens ein Stoppschild überfährt. Die Folge: Eine Geldstrafe und vielleicht ein paar Punkte im Verkehrssünderregister? Viel schlimmer! Dana Halter findet sich in Untersuchungshaft wieder. Die Delikte, die ihr vorgeworfen werden, reichen von Autodiebstahl bis zu Drogenmissbrauch und Angriff mit einer tödlichen Waffe. Zu Unrecht. Denn es stellt sich heraus, dass jemand ihre Identität gestohlen hat.

Nach mehreren Tagen eines – nicht zuletzt wegen ihrer körperlichen Behinderung – erniedrigenden Gefängnisaufenthalts begibt sich Dana Halter zusammen mit ihrem Freund Bridger Martin auf die Suche nach der Person, die ihr das angetan hat, nach der Person, die mit ihrem Namen und auf ihre Kosten in Saus und Braus lebt. Es ist der Beginn einer bis zum Ende offenen Verfolgungsjagd.

Den Übeltäter stellt Boyle in seinem Roman ebenfalls ausführlich vor. Er greift damit auf eine seiner bewährten Schreibtechniken zurück: das Schildern einer Geschichte aus verschiedenen Perspektiven.

Obwohl man nicht alle Handlungen von Dana Halter und ihrem Freund nachvollziehen kann oder Sympathien für ihren Gegenspieler entwickeln mag, fiebert man doch mit beiden Parteien mit. Denn Boyle knüpft in »Talk Talk« einen Spannungsbogen, der von der ersten bis zur letzten Seite reicht. Es ist sicher nicht sein gelungenstes Werk, wohl aber das temporeichste, das er bisher geschrieben hat.

T.C. Boyle: Talk Talk | Deutsch von Dirk van Gunsteren
Hanser 2006 | 396 Seiten | amazon-info

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